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Es gibt Phasen im Leben, in denen wir ziemlich genau wissen, dass etwas nicht mehr stimmig ist.
Nach außen läuft vieles weiter. Der Alltag funktioniert. Verantwortung wird getragen. Und trotzdem bleibt innerlich etwas offen.
Nicht laut.
Nicht dramatisch.
Aber dauerhaft.
Viele Menschen beschreiben diesen Zustand als Unsicherheit oder als fehlenden Mut oder auch auch als mangelnde Disziplin.
Doch das greift zu kurz.
Die meisten Menschen, die warten, tun das nicht aus Bequemlichkeit.
Sie haben nachgedacht. Abgewogen. Szenarien durchgespielt. Und das ganz oft sogar sehr gründlich.
Und genau das ist der Punkt.
Denn weiteres Nachdenken führt in solchen Situationen nicht zu Klarheit, sondern zu innerer Erschöpfung.
Nicht, weil Denken falsch wäre – sondern weil es an eine Grenze stößt.
Warten entsteht häufig dort, wo mehrere innere Bewegungen gleichzeitig wirken.
Ein Teil will Veränderung.
Ein anderer Teil hält dagegen.
Das ist innere Zerrissenheit.
Beide haben gute Gründe.
Solange diese Gegensätze ungeordnet nebeneinanderstehen, fühlt sich jede Entscheidung schwer an.
Nicht falsch – sondern zu früh.
Das erklärt, warum Menschen monate- oder jahrelang in innerem Stillstand verharren, obwohl sie wissen, dass sich etwas ändern müsste.
Viele versuchen, diesen Zustand mit Motivation zu überwinden.
Mehr Disziplin. Mehr Druck. Mehr Aktivität.
Kurzfristig fühlt sich das nach Bewegung an aber langfristig verstärkt es die Blockade.
Denn nicht jeder innere Konflikt lässt sich durch Antrieb lösen.
Manche brauchen zuerst Ordnung.
Warten erfüllt eine Funktion:
Es schützt – nicht vor dem Problem, sondern vor den Konsequenzen einer Entscheidung.
Klarheit bedeutet oft:
Verantwortung zu übernehmen
Grenzen zu setzen
andere zu enttäuschen
sich selbst nicht länger auszuweichen
Solange Dinge ungeklärt bleiben, bleiben Optionen offen.
Das fühlt sich zwar sicher an, aber es hat einen Preis.
Dieser Preis ist selten spektakulär. Er zeigt sich leise und in Form von:
innerer Unruhe
Gereiztheit
sinkender Präsenz
Distanz in Beziehungen
dem Gefühl, nicht ganz da zu sein
Nicht, weil etwas aktiv falsch läuft sondern weil etwas ungeklärt bleibt.
Die Lösung liegt nicht darin, sich endlich zusammenzureißen.
Und auch nicht darin, schnell etwas zu verändern, nur um Bewegung zu spüren.
Was es braucht, ist Klarheit. Nicht als schnelle Erkenntnis. Sondern als Prozess.
Das ist ein ein Prozess, in dem innere Gegensätze sichtbar werden und einordbar.
Erst dann wird Handeln möglich, ohne sich selbst zu verraten.
Wenn Du beim Lesen gemerkt hast,
dass diese Gedanken etwas in Dir berühren,
ist das kein Zufall.
Viele Menschen stehen an genau diesem Punkt.
Zu diesem Thema habe ich auch eine Podcastfolge aufgenommen:
„Warum wir warten, statt unser Leben in die Hand zu nehmen“.
Dort gehe ich noch einmal ruhiger und persönlicher auf diese Dynamik ein.
Manche Dinge lassen sich nicht lösen, indem man sie weiter denkt.
Sie wollen geklärt werden.